Ein Ratgeber für Frauen die Karriere machen wollen und, obwohl auch ich Ambitionen in meinem Berufsleben habe, habe ich dieses Buch über mehrere Jahre hinweg gelesen.
Nicht weil es langweilig war, sondern weil ich davon überzeugt bin, dass Bücher mich dann erreichen, wenn ich sie brauche. Und so habe ich auch dieses Buch Etappenweiße gelesen. Stück für Stück, Phase für Phase.
Das Problem? Je weiter ich gelesen habe, desto mehr hat mich das Buch verloren.
Darum geht es in „Mission Female“ von Frederike Probert
Achtung: könnte Spoiler enthalten.
Frederike Probert war über 15 Jahre leitende Managerin bei Yahoo, AOL und Microsoft. Aufgestiegen in der Technik-Bubble – also in einer Welt, die traditionell wenig Platz für Frauen bietet. In der sie sich selbst hochkämpfen musste.
In „Mission Female“ gibt sie Tipps, für Frauen die die Karriereleiter selbst hochklettern wollen, mit dem Ziel, dass Frauen in Führungspositionen zur Normalität werden.
In dem Buch begleitet sie uns durch drei Karrierephasen: Berufseinstieg, mittleres Management und C-Level. Für jede Phase gibt es praktische Tipps, Interviews mit bekannten Female Leaders wie Dorothee Bär, Manuela Rousseau und Tina Müller – und jede Menge Statistiken und Forschungsergebnisse, die die Argumente untermauern.

Details zum Buch
Titel:Â Mission Female: Frauen. Macht. Karriere.
Format: Gebundenes Buch
EinzelbandÂ
Autor:Â Frederike Probert
Verlag:Â Frankfurter Allgemeine Buch
ISBN:Â 978-3-9625-1079-4
Seitenzahl:Â 224
Erstveröffentlichung: 15.06.2020
Preis: 22,00 €
Bezugsquelle:
Meine Meinung zu »Mission Female: Frauen macht Karriere«
Ich fühle mich gesehen und hoffe gleichzeitig nie so zu werden
Das Buch ist kein Pageturner, den man am Wochenende mal eben so wegliest. Es ist ein Ratgeber. Ein Nachschlagewerk. Etwas, das man bewusst konsumiert, mit einem Stift in der Hand.
Der erste Teil des Buches, der sich an Berufseinsteigerinnen richtet, hat mich vollständig erwischt.
Als ich von der Schule in die Arbeitswelt gewechselt bin, habe ich gehofft die ganzen Intrigen mit dem Schulhof hinter mir zu lassen. Oh boy, habe ich mich geirrt. Der Meinung ist zum Glück auch Frederike Probert, was sie gleich zu Beginn mit einigen Anekdoten und Statistiken untermauert. Sie erklärt, warum es unerlässlich ist, sich aktiv Mentor:innen zu suchen. Warum Nein sagen keine Schwäche ist. Und warum man nicht einfach darauf warten kann, dass jemand einem den roten Teppich ausrollt (weil das einfach niemals passieren wird).
Viele, viele gute und praktische Tipps für Berufseinsteigerinnen. Der Passage, in der ich mich selbst am meisten wiedergesehen habe war als sie über die „fleißigen Bienchen“ geschrieben hat. Es war als hätte sie direkt über mich gesprochen. Und das war gruselig.
Es geht darum, dass du dir noch so sehr den Arsch aufreißen kannst, du kannst kollegial sein, zuverlässig, immer liefern, schnell und viel erledigen, mehr arbeiten, als du eigentlich mental schaffst (und ganz ehrlich willst) aber wenn du nicht klar kommunizierst das du befördert werden willst, wenn du nicht Nein sagst– dann bist du eben nur das fleißige Bienchen. Die, die die Karre aus dem Dreck zieht, schnell und still Dinge erledigt. Nützlich. Aber nicht mehr. Im Kopf deines Arbeitgebers strengst du dich grade nämlich nicht besonders doll an, sondern performest einfach in deinem „Normalzustand“.
Als ich das gelesen habe, hat das wirklich viel mit mir gemacht. Ich habe nämlich selbst grade im fleißigen Bienchen-Modus festgesteckt und mich gefragt, warum zum Teufel das nicht gesehen wird und ich nicht die Annerkennung bekomme, die ich mir gewünscht habe.
Frederike gibt diesem Phänomen nicht nur einem Namen und fasst ein Bauchgefühl in Worte, sondern belegt es. Mit Statistiken. Mit psychologischen Erkenntnissen. Mit Geschichten anderer Frauen, die dasselbe erlebt haben.
Das sitzt. Doppelt.
Ich habe in diesem Kapitel mehr unterstrichen als in jedem anderen Sachbuch, das ich je gelesen habe. Sie appelliert dafür, sich gegenseitig Platz am Tisch zu machen. Zu netzwerken. Gemeinsam groß und stark zu werden. Offen zu kommunizieren, wo man hinwill. Keine Ellenbogen-Kämpfe. Stronger together. Ich war ab hier überzeugt von diesem Buch. So sehr, dass ich es direkt jedem weiterempfohlen habe, ohne das ich es überhaupt selbst beendet hatte.
Das mittlere Kapitel widmet sich Frauen, die zum ersten Mal Führungsverantwortung übernehmen – und plötzlich über ihren ehemaligen Kolleginnen stehen. Der Spagat zwischen „ich war gestern noch eine von euch“ und „bin jetzt deine Vorgesetzte“. Neid. Missgunst. Das erste Mal wirklich spüren, dass nicht alle dein Bestes wollen.
Völlig valide Themen. Praktisch aufbereitet. Die Tipps sind gut, die Interviews interessant. Ich habe mitgenommen, was ich mitnehmen konnte – aber der Funke, der im ersten Kapitel so hell gebrannt hat, war hier schon etwas kleiner. Das Kapitel fühlte sich mehr nach Pflichtlektüre an, weniger nach Offenbarung.
Das letzte Kapitel. Frauen im C-Level. Und hier hat mich das Buch verloren. Beim lesen habe ich mich mehr als einmal gefragt „Warte mal, what the fuck?“
Zu Beginn sagt uns Probert: Bitte kein Ellenbogen-Verhalten. Bitte nicht wie der alte weiße Mann agieren. Bitte füreinander eintreten. Gemeinsam stark sein. Ja! Genau! Das ist der Punkt!
Und dann, im letzten Kapitel, sagt sie uns sinngemäß: Vertraue niemandem. Befreunde dich mit niemandem. Beobachte, wie sich andere verhalten und adaptiere ebendieses, damit du nicht ungewollt kleiner wirkst. Alle fahren einen dicken SUV? Dann nimm lieber auch den SUV, auch wenn du eigentlich einen kleinen umweltfreundlichen Firmenwagen willst. Denk daran, dass du als Frau oft nur für die Quote eingestellt wirst. Denk daran, dass du jederzeit einfach so gefeuert werden kannst. Denk daran: Du bist allein.
Ich kann nachvollziehen, dass das echte Realitäten von Frauen in Führungspositionen sind. Das zweifle ich nicht an. Aber…ABER!…das ist genau das Verhalten, von dem sie uns zu Beginn abraten wollte.
Das ist die Denkweise, die genau den Typ Führungskraft produziert, den ich selbst als Mitarbeiterin niemals haben möchte. Und die ich selbst niemals sein möchte.
Wenn eine Führungsposition zwangsläufig zu diesem Charakter führt? Dann danke, nein.
Ich mein, irgendwie erklärt das schon viele Führungskräfte die ich selbst kennenlernen musste aber.. HÖLLE, NEIN!
Das Buch, das ich nach dem ersten Kapitel sofort jeder Frau in meinem Leben empfohlen hätte, habe ich nach dem letzten Kapitel am liebsten in der hintersten Ecke meines Schrankes versteckt.
Drei Sterne, weil ich wahnsinnig viel mitgenommen habe. Weil mich der erste Teil wirklich begeistert, mir die Augen geöffnet und mir Strukturen erklärt hat, die ich erlebt aber nie benennen konnte. Weil ich mich gesehen und verstanden gefühlt habe. Weil es kein einfacher Ratgeber ist, sondern ein echtes Nachschlagewerk.
Aber auch nur drei Sterne. Weil das letzte Kapitel mich mit einem unguten Gefühl zurücklässt. Weil ich hoffe, dass jede Leserin zwar die Gefahren kennt, vor denen Probert warnt; sie aber bitte, bitte nicht das Verhalten kopiert, das sie als Lösung vorschlägt.
Hast du Mission Female gelesen? Und wenn ja: Wie hast du das letzte Kapitel erlebt – als nüchterne Realität oder als Widerspruch zu allem, was davor kommt? Ich bin wirklich gespannt auf deine Meinung.



