Ich sage es direkt: Wenn du Prison Break geliebt hast und Hunger Games zu deinen prägenden Leseerlebnissen zählt – dann ist das hier dein nächstes Buch. Vertrau mir einfach.
Darum geht es in „To Cage a Wild Bird“ von Brooke Fast
Achtung: könnte Spoiler enthalten.
Raven ist Kopfgeldjägerin. Dafür wird sie nicht nur von ihrem Umfeld gehasst. Denn ihr Job bedeutet: sie liefert Menschen nach Endlock – dem Gefängnis, in dem Reiche auf Insassen Jagd machen dürfen. Aber Raven bleibt keine Wahl. Wegen Jed, ihrem kleinen Bruder. Weil irgendjemand nach dem Tod ihrer Eltern eben Geld verdienen muss. Weil das Leben in Dividium nun mal so ist.
Als Jed plötzlich verhaftet wird und selbst in Endlock landet, gibt es für Raven nur noch eine Sache die zählt: Jed da irgendwie rausholen. Mit Hilfe einer Rebellen-Gruppe schmiedet sie einen Plan: sich selbst verhaften lassen, eine Kontaktperson der Rebellen und Jed finden, gemeinsam ausbrechen.
Natürlich läuft nichts nach Plan. Weil Raven sich über Jahre hinweg Feinde gemacht hat. Und die warten alle in Endlock auf sie.
Das Buch hat folgende Tropes: Survival/Prison Games, Forbidden Romance, Who Did This To You?, Found Family, Slow-Burn Romance
Und eine kleine Triggerwarnung gibt es auch: Gewalt, Jagd auf Menschen, Tod, Gefangenschaft, Blut, Hunger, emotionale Vernachlässigung in der Vergangenheit der Charaktere.

Details zum Buch
Titel: To Cage a Wild Bird
Format: gelesen als E-Book
Band 1 von 2
Autor: Brooke Fast
Verlag: Transworld Publishers Ltd UK
ISBN: 978-3-7645-3318-2
Seitenzahl: 416
Erstveröffentlichung: 27.11.2025
Preis: 23,00 €
Meiine Bezugsquelle: Kostenloses Rezensionsexemplar
Meine Meinung zu »To Cage a Wild Bird«
Aus Transparenzgründen: Das Buch wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt, an meiner Meinung ändert das nichts.
Ein Gefängnisausbruch, der dich in seinen Bann zieht
In meiner Mittagspause bin ich häufig in einem Rewe, der einen kleinen Thalia im Store hat. „To Cage a Wild Bird“ hat mich dort schon unzählige Male angelacht. Es war der Klappentext, der mich gefesselt hat. Ich wollte standhaft bleiben, oft enttäuschen mich diese Bücher. Wollte meinen SUB nicht noch weiter vergrößern. Eigentlich. Dann habe ich es als Rezensionsexemplar vom Verlag bekommen. Naja… ein kostenloses Rezi-Buch ist ja quasi kein Buch, oder?
Der Einstieg hat ein bisschen gebraucht. Die ersten Kapitel sind interessant, haben mich aber noch nicht vollständig gepackt. Ich war dabei, aber nicht wirklich drin. Und dann, irgendwann, hat sich das umgekehrt. Und dann war kein Rauskommen mehr.
Irgendwann wird es zu einem dieser Bücher, bei der man sich um Mitternacht denkt: nur noch ein Kapitel. Und bei dem man das, was man sich gedacht hat, eine Stunde später immer noch denkt. (Upsi).
aven Thorne ist eine Protagonistin voller Widersprüche. Und ich meine das als Kompliment. Also, irgendwie.
Für Jed würde sie absolut alles tun. Sich in das gefährlichste Gefängnis der Welt einschmuggeln lassen, ohne eine Sekunde zu zögern – völlig selbstverständlich. Sie würde Töten und Sterben. Aber allen anderen gegenüber? Abweisend. Misstrauisch. Auf maximaler Distanz. Fast schon kratzbürstig.
Sie analysiert viel. Denkt manchmal trotzdem nicht nach. Sie hat starke Prinzipien, die sie nach Bedarf hinten anstellt. Sie ist intelligent und mutig und loyal – aber irgendwie ausschließlich für andere. Als wäre ihr eigenes Leben kein Wert, den sie schützen müsste. Als würde das Überleben nur zählen, wenn es jemand anderem nützt.
Das hat mich Zwiegespalten zurückgelassen. Weil diese zwei Seiten sich manchmal angefühlt haben wie zweierlei Maß. Irgendwie kann ich es nachvollziehen, die Autorin erklärt Ravens Gefühle und Handlungen in der Hinsicht auch sehr gut. Und gleichzeitig bin ich ein bisschen genervt, weil ich Raven die ganze Zeit zuschreien wollte: Girl, du zählst auch!
Und dann sind da noch die anderen Charaktere. Was mir wirklich gut gefallen hat: diese Distanz zwischen den Figuren, während sich gleichzeitig ganz langsam, ganz vorsichtig etwas wie Vertrauen aufbaut. Niemand läuft dem anderen in die Arme. Niemand vertraut schnell. Und trotzdem passiert da etwas – und man merkt es, bevor man benennen kann was. Es ist wirklich wie in Prison Break und ich liebe alles daran.
Nach und nach kommen Geheimnisse raus. Hintergründe. Wenn man dachte, man hätte die Charaktere schon durchschaut, sieht man sie plötzlich ganz anders. Allein diese persönlichen Entwicklungen, die Atmosphäre im Buch, dieses ständige auf der Hut sein halten den Spannungsbogen bis zum Ende hin gut oben. Das ist auch wichtig und gut so: denn ein klassisches Worldbuilding findet so nicht statt. Man erfährt mehr über die Umwelt (aka wie das Gefängnis aussieht) aber wenig über die gesamtpolitische Struktur, wenig über das Leben in Dividium. Die Informationen die man braucht, um einen Ahnung zu bekommen erhält man, aber kein bisschen mehr. Nichts tiefgehenderes.
Das Buch wird als Dystopie vermarktet. Ihr wisst, wie sehr ich dieses Genre liebe. Reiche Menschen, die auf Gefangene Jagd machen, das ist durchaus dystopisch. Das hat Hunger-Game-Vibes.
Aber die Dystopie bleibt an der Oberfläche. Hat nicht die für das Genre so typischen Merkmale. Es gibt keine tiefere Gesellschaftskritik die das Buch ausübt. Keinen Kampf gegen ein System. Eben Keine Welt, die man wirklich begreift, bevor das Buch endet. Das gesamte Buch dreht sich um Endlock. Um den Ausbruch. Um das Überleben. Es ist mehr Gefängnisroman als Dystopie.
Für mich ist das Buch dennoch ein 4 Sterne Read, eben genau WEIL es mich so sehr an Prison Break und Hunger Games erinnert hat und ich beides sehr, sehr gerne mochte. So war es als würde ich zurück in diese Welt, aber eben mit einem neuen Blick auf die Dinge, neuen Menschen an meiner Seite.



