Eine rätselhafte Schaustellerin, ein Detective und eine Nacht voller Geheimnisse. Was klingt, wie alles was ein guter Krimi/Thriller braucht, um sich zu verlieben, hat sich für mich ehrlich gesagt wie ein kleiner Kampf angefühlt.
Darum geht es in „Freakshow 1″ von Katie Mae Bloom
Achtung: könnte Spoiler enthalten.
New England, Anfang des 20. Jahrhunderts. Die seltsam tattoowierte Schaustellerin Madame Mallory findet sich in einem dunkeln Verhörzimmer wieder. Die ihr vorgeworfenen Anschuldigungen: schwerwiegend. Ein in Ungnade gefallener, grummeliger Detective aus der Nachtschicht soll sie verhören und die gewünschten Geständnisse erzwingen. Stattdessen gerät er in ihren Bann. Denn was Mallory beichtet nicht. Sie gibt ihm Einblick. Erzählt, was sie hier her geführt hat. Nimmt ihn mit auf eine Reise durch ihre Vergangenheit, durch verworrene Rätsel, ein zerstrittenes Europa, und erzählt ihm die Geschichten die sich hinter den seltsamen Mustern auf ihrer Haut verbergen. Eine Nacht hat der Detective um alles aufzulösen. Unwissend, dass er selbst Teil der Geschichte ist.
Es ist ein Noir-Thriller mit folgenden Tropes: Grumpy Detective / Femme Fatale, Ticking Clock, Stories within a Story, Unreliable Narrator, Mystery Identity, Steampunk Aesthetic, Gothic Circus Vibes

Details zum Buch
Titel:Â Freakshow – Die Muster ihrer Haut
Format: Taschenbuch
Band 1 von 2
Autor:Â Katie Mae Bloom
Verlag:Â Wreaders Verlag
ISBN:Â 978-3-9859553-8-1
Seitenzahl:Â 214
Erstveröffentlichung: 03.03.2023
Preis: 14,00 €
Bezugsquelle:
Meine Meinung zu »Freakshow«
Ich wollte es abbrechen und konnte es trotzdem nicht weglegen
Dieses Buch war wahnsinnig herausfordernd für mich. Ich wollte mehrfach abbrechen. Nicht, weil die Geschichte so schlecht war, sondern weil ich absolut nicht mit der Erzählperspektive klar gekommen bin.
Mit Geschichten die in der dritten Person geschrieben sind, habe ich grundsätzlich meine Schwierigkeiten. Ich kann mich in diese Bücher nicht reinfallen lassen, kann nicht versinken. Schwebe immer über den Zeilen, kämpfe. Meine Vorstellungskraft kann das nicht, die Fantasie kommt nicht in fahrt. Es fühlt sich an, als würde ich eine Bedienungsanleitung lesen.
Und ja, auch 200 Seiten können, wenn man nicht reinkommt, wirklich zäh werden. Aber zur Wahrheit gehört auch: Nach 2/3 wollte ich das Buch dann doch nicht mehr aus der Hand legen. Das ist zu spät, zu wenig, um mich für die weiteren Teile der Reihe zu begeistern, aber – und das ist mir wichtig – ich würde es euch dennoch weiterempfehlen. Denn: in einer anderen Erzählperspektive hätte ich das Buch geliebt. Da bin ich mir sicher. Die Story mochte ich an sich nämlich sehr gern. Als es endlich fertig war, habe ich gern zurück geblickt: war froh es gelesen zu haben.
Das Herzstück des Buches ist ein Verhör. Ein crumpy Detective, der die Sache einfach schnell abwickeln will und sich sicher ist, mit Mallory die Täterin gefunden zu haben auf der einen Seite und die mysteriöse, leicht zwielichtige Wahrsagerin auf der anderen. Die Atmosphäre sitzt! Katie Mae Bloom schreibt eine Welt die sich anfühlt wie Steampunk trifft auf Noir-Krimi – düster, verspielt, leicht angestaubt auf die beste Art. Und trotzdem völlig anders als erwartet.
Ich habe erwartet das mich das Buch in den Zirkus wirft: das bunte Chaos hinter dem Vorhang, Manege, Spektakel, die gesamte Bandbreite der „Freaks“. Was ich stattdessen bekommen haben war ein wilder Ritt durch Mallorys Leben: angefangen als unscheinbares Mädchen im kleinen Dorf, bis hin zur Femme Fatale die dem indischen König vorgestellt wird. Es passiert viel. Viele Intrigen, Skandale, viele what-the-fuck-momente.
Madame Mallory als Figur ist faszinierend: wahnsinnig wandelbar, standhaft, stark, loyal, tieftreu, rätselhaft, nie ganz greifbar, und gleichzeitig so präsent dass man versteht warum der Detective nicht aufhören kann zu fragen. Und irgendwann, viel später, merkt man, das man vielleicht genauso invested wie der Detective ist.



