Stell dir vor, du bewirbst dein eigenes Buch damit, dass es am Ende schlechter wird – und dass du es getrost weglegen darfst, sobald es dir nichts mehr gibt. „Am Ende“ von Jean-Remy von Matt ist wirklich alles andere als eine klassische Biografie. Es ist vielmehr eine Sammlung von Gedanken, Anekdoten und eigenständigen Geschichten von einem der einflussreichsten Marketingköpfe Deutschlands. Und genau deshalb ein Must-Read für mich.
Darum geht es in „Am Ende“ von Jean-Remy von Matt
Achtung: könnte Spoiler enthalten.
Es ist keine Biographie, es sind keine Memoiren, es ist kein Fachbuch aber irgendwie doch. All das und mehr. Jean-Remy von Matt gibt Einblick in seine Gedanken, in sein Leben und in seine Arbeit. Was für ihn Kreativität bedeutet, wann er sie ausleben kann und wann nicht.
Es ist eine Sammlung aus kurzen Geschichten und Gedankenschnipseln. Worum es geht lässt sich daher nur schwer wiedergeben.
Der Klappentext sagt (in Teilen) folgendes:
Jean-Remy von Matt ist der kreative Kopf von Deutschland bekanntester Werbeagentur Jung von Matt. Als Werber und Texter war er immer gefordert zu verdichten. Jetzt erzählt er in originellen und erhellenden Anekdoten, wo und wie er Kreativität gelebt und erlebt hat. Und das verpackt in eine spektakuläre Marketingidee: Es wird das erste Buch, das von Anfang bis Ende immer schlechter wird – mit Vorsatz. Dafür ließ der Autor jedes einzelne Kapitel von einer Jury bewerten und ordnete die Texte entsprechend. Der Vorteil: Wo immer man mit Lesen aufhört, hat man das Beste auf keinen Fall verpasst. Aber vielleicht ist ja selbst die letzte Anekdote noch lesenswert?

Details zum Buch
Titel:Â Am Ende
Format: Gebundenes Buch
EinzelbandÂ
Autor:Â Jean-Remy von Matt
Verlag:Â Econ
ISBN:Â 978-3-430-21209-0
Seitenzahl:Â 240
Erstveröffentlichung: 131.07.2025
Preis: 25,00 €
Meine Bezugsquelle: Thalia*
Meine Meinung zu »Am Ende«
Ein alter weißer Mann schreibt über Kreativität – und ich bin nicht genervt
Ich bin ein großer Fan von Jean-Remy von Matts kreativem Geist.
Von ihm als Person kann man halten was man möchte. Er polarisiert, ist meinungsstark, wird nicht umsonst kritisiert. Aber seine Kreativität? Die wird absolut zurecht gelobt.
In meiner Bubble, in meinem Beruf ist der Mann wer. Einer der TOP-Marketer weltweit, Mitbegründer von Jung von Matt – eine Werbeagentur die zu DEN Namen in der Szene gehört. Wer dort arbeitet, hat es in meiner Branche ganz klar geschafft. Ihr versteht schon, warum ich das Buch unbedingt lesen wollte. Und auch – warum diese Rezension maximal voreingenommen ist.
Das Konzept ist genial: von Matt teilt sein Leben nicht als Autobiografie, sondern als Sammlung von einzelnen Momenten und Learnings, die völlig unabhängig voneinander existieren. Also qausi Gedankenschnipsel eines Menschen, der oft auf die Nase gefallen ist, ständig Gegenwind aushalten musste aber sich denoch nie in seiner Kreativität hat einschränken lassen. Der scheinbar immer „mutig authentisch“ war.
Er beschäftigt sich mit Fragen die in rumtreiben (zum Beispiel „Ist Kreativität eigentlich angeboren oder lernt man das durch Vorbilder?“) und spikt das immer mit einer Annekdote aus seinem Leben. Durch das gesamte Buch hinweg teilt er seinen Blick auf die Welt. Seine Andersartigkeit. Man merkt beim lesen das von Matt eine starke Persönlichkeit ist, eine Eigene. Vielleicht auch eine sehr anstrengende – aber auch eine, die unglaublich interlektuell ist und tief geht.
Wisst ihr woran mich das so ein bisschen erinnert? Wie wenn dein grumpy Opa dir mal einen wirklich erfrischend, ehrlichen Einblick in sein Leben gibt und dir erklärt warum, welcher Moment für ihn und seine Arbeit, seine Denkweiße wirklich bedeutsam war. Alter weißer Mann, hm. Vielleicht. Aber nicht auf diese negative Art.
Ich habe viel gelernt, nicht weil ich „handwerklich“ viel neues für meinen Beruf mitgenommen habe, einfach, weil ich einen anderen Blick auf bereits bekanntes bekommen habe. Ich habe wahnsinnig viel markiert, unterstrichen. Mir Notzien gemacht.
Kein Buch, bei dem ich schreien würde „MUSS man lesen!“, aber eines, das bereichert, wenn man es liest. Man bekommt nicht unbedingt neue Tools – aber einen neuen Blick. Und das ist Gold wert.
Die schönsten Gedanken aus »am Ende«
Aber wer sich nur aus den Daten der Vergangenheit ernährt, dem fehlt, was innovative Ideen wirklich ausmacht: der Blick nach vorne. Vorstellungskraft. Fantasie.


