Es gibt Bücher in die wirst du richtig reingezogen. In denen versinkst du. Und dann gibt es solche die dich bei der Hand nehmen, die du mitfühlst und mit lebst, aber nicht das Gefühl hast zu ertrinken. Weird Girls ist im Besten Sinne genau so ein Buch.
Darum geht es in Weird Girls
Achtung, könnte Spoiler enthalten:
Maggie, Harley und Róise befinden sich grade an diesem Scheidepunkt im Leben, bei dem man weiß, dass es so wie jetzt nicht weitergehen kann, man aber auch zu ängstlich ist weiterzugehen und deshalb etwas auf der Stelle tritt. Neben dem Chaos, dass Erwachsensein Ende 20. so ganz generell mit sich bringt, haben die drei vor kurzem eine Freundin verloren und müssen irgendwie mit diesem Kummer und sich selbst klar kommen, ohne das die Freundschaft daran zerbricht.
Die Tropes sind: Coming of Age, Grief, Messy characters, Slices of life

Details zum Buch
Titel: Weird Girls
Gelesenes Format: Gebundenes Buch
Einzelband
Autor: Gráinne O´Hare
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN:Â 978-3-462-01327-6
Seitenzahl: 320
Erstveröffentlichung: 01.12.2025
Preis: 22 €
Meine Bezugsquelle:Â Rezensionsexemplar
Rezension zu „Weird Girls“
Ich habe ein kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten und gelesen. Wie immer lasse ich mich dadurch aber nicht in meiner Bewertung beeinflussen und teile meine ehrliche Meinung mit euch.
Wie aus dem Leben selbst erzählt
Gute Bücher sind für mich oft solche, in denen ich versinke und völlig vergesse, dass ich bereits 5 Stunden lese. Weird Girls fesseld einen auf eine andere Art. Es peitscht dich nicht mit Spannung durch die Seiten, zieht dich nicht in einen Zog, aber fest seine Seite. Weil es sich anfühlt wie echtes Leben. Â
Das Buch ist spannend, weil es eben keinen krassen Plot gibt. Was du hier liest sind keine perfekten Heldinnen sondern das auf und ab vom Leben selbst.
Was ich meine ist, das ganze Buch lebt einzig von dem Gefühl was es in dir auslöst. Es gibt keine catchy Handlung, es ist mehr so, als würdest du ganz kurz in die Welt von anderen gezogen werden, bekommst einen Eindruck was in ihnen vorgeht, anhand dessen was sie tun, wie sie leben und reden, aber du bleibst eben Zaungast. Als würdest du für 1-2 Monate wieder engen Kontakt mit einer alten Freundin haben. Du wirst direkt reingeschmissen in das aktuelle Leben von ihr, kein langsames hereantasten und keine ausführlichen Erklärungen zu Gegebenheiten. Es ist eben was es ist. Genau so ist das Buch.
Die Autorin schafft es so wahnsinnig gut das Gefühlsleben ihrer Figuren in Zwichentönen aufzuzeigen. Es sagt nie jemand „Hey, mir geht es nicht so gut“ und doch merkst du es an allem was die Mädels tun. An ihrem Verhalten, ihrer Entscheidungen und an der Art, wie sie durch das Leben stolpern. Diese Zurückhaltung in der Beschreibung, macht das Buch extrem authentisch. Und ja, auch fühlbar.
Die Story beginnt mitten im Geschehen und man hat das Gefühl sofort Teil der Freundesgruppe zu sein. Du spürst den Kleber, der die drei zusammenhält, auch wenn man nicht genau benennen kann was er eigentlich ist. Du spürst die Risse, die die Freundschaft aus etlichen Gründen entwickelt hat. Dieses Gefühl zwischen dran festhalten wollen und dem Wunsch alles niederzubrennen.
Mir gefällt außerdem sehr gut, wie die Autorin mit dem Tod von Lydia umgeht. Der Verlust der Freundin ist wie eine offene Wunde immer präsent, aber wird nie auf eine schaulustige Art in Szene gesetzt. Toll sind außerdem die vielen Emotionen die damit einhergehen. Das Buch gibt einem quasi die Erlaubnis sie alle zu fühlen: Ja, du darfst weiter wütend auf eine Tote sein. Nein, du liebst sie dadurch nicht weniger. Ja, du darfst auch trotz deines Schmerzes lachen und Spaß haben. Du musst nicht immer nur trauern. Ja, du darfst mit deinem Leben weitermachen, auch wenn deine Freundin es nicht mehr kann.Â
Du merkst schon, das Buch ist wahnsinnig gefühlvoll. Rau, aber auch sehr, sehr echt. Â
Zerrissenheit trifft das Buch wohl in einem Wort am besten.Â



