Ich höre tausend Worte in deiner Stille. Mit dem Zitat wird Staying was the hardest part beworben. Und dieses Zitat beschreibt das Buch bereits ziemlich gut. Den Leser erwartet ein schwer emotionales, poetisch, nachdenkliches Buch, mit sehr alltäglicher und genau deshalb gesellschaftskritischer Story.
Darum geht es in „Staying was the hardest part“ von Rabia DoÄŸan
Achtung: könnte Spoiler erhalten: Evrens Bruder verschwindet. Einfach so. Von heute auf morgen ist er weg. Damit ändert sich die ganze Familiendynamik und Evrens Leben, denn sie muss seine Aufgaben übernehmen. Sie muss ihre Wünsche hinten anstellen, um die Familie zu tragen. Finanziell und emotional. Als alles ein bisschen zu viel wird, hört Evren einfach auf zu sprechen. Die Ärzte diagnostizieren Mutismus. Mit ihrem Schweigen stößt sie ungewollt vielen vor den Kopf, aber Talhah, der ihr viel zu häufig über den Weg zu laufen scheint, lässt sich von Evrens Mauern nicht beirren.Â

Details zum Buch
Titel:Â Staying Was The Hardest Part
Format: Taschenbuch
Band 1 von 3
Autor:Â Rabia DoÄŸan
Verlag:Â Carlsen Verlag
ISBN:Â 978-3-551-58534-9
Seitenzahl: 384
Erstveröffentlichung: 28.09.2023
Preis: 14,00 €
Bezugsquelle: Bücherbüchse
Meine Meinung zu »Staying was the hardest part«
Ein Buch, für das man bereit sein muss
Mir hat so viel an dem Buch gefallen. Staying was the hardest part hat einige atemberaubende Zitate, die direkt ins Schwarze treffen. Bei denen du sofort anfängst dich selbst zu reflektieren. Die weh tun. Die schön sind. Gleichzeitig ist es aber auch überwältigend, verdammt anstrengend und zäh.
Das Buch ist keine einfache Kost.
Das liegt auch an den Themen die dort eine Rolle spielen.
Es geht um (Alltags)Rasissmus, ungesunde Familiendynamiken, Verlust, Schuldgefühle, Trauer. Wie es ist zu den „falschen“ Ausländern zu gehören und wie viel Glück man hat, wenn man zu den „richtigen“ zählen darf. Wie schwierig das Leben im Sozialbau ist. In Armut. Die Zerissenheit zwischen der Liebe zum Herkunftsland und der neuen Heimat. Zwischen dem bewahren von Familien-Traditionen und dem Wunsch, dazuzugehören. Sich selbst aufzugeben, um akzteptiert zu werden. Es geht um Verantwortung. Darum für die Familie zu sorgen und sich in all dem Chaos nicht selbst zu verlieren.Â
Und genau das hat mir auch so gut gefallen. Es ist echt.
Wahnsinnig realitätsnah, authentisch, ungefiltert.Â
Die Geschichte wird im Wechsel aus der Sicht von Tallah und Evren erzählt. Er, syrischer Kriegsflüchtling, der medizin studiert, augenscheinlich „integriert“ ist aber trotzdem immer der Ausländer bleibt. Sie, Kind einer türkischen Arbeiter-Familie, die alles dafür geben würde studieren zu dürfen, aber nach dem verschwinden von ihrem Bruder, die Rolle des ältesten Kindes übernehmen muss. Sie muss helfen, die Familie zu finanzieren. Als die Last für Evren zu viel wird, hört sie einfach auf zu sprechen.
Die Geschichte und insbesondere der Schreibstil der Autorin ist wahnsinnig emotional und fast schon poetisch. Sie schafft es die Geschehenisse so zu verpacken, das man kein Mitleid mit den Protagonisten bekommt, aber dennoch mitfühlt. Es geht nicht darum, zu zeigen, wie schrecklich das Leben von ihnen ist, sondern wie sie – trotz Päckchen – ihr bestes geben.Â
Wie schon beschrieben ist das Buch keine einfache Kost. Es ist nichts, was man mal eben liest. Nichts, bei dem man über die Seiten fliegen würde. Es ist anstrengend. Es ist kräftezerrend. Es ist wichtig aber man muss den Kopf dafür haben. Man muss für die Story bereit sein. Und sein wollen.Â




Hallo Charlie,
oh, ich muss zugeben, dass ich beim Anblick des Covers vielleicht eher eine lockerleichte Geschichte erwartet hätte.
Deine Rezension hat mir geholfen, das Buch anders einzuordnen. Das, was du schreibst, hat mir sehr gefallen. Ich denke auch, dass es für dieses Buch eine entsprechende Lesestimmung benötigt.
Mit Hilfe deiner Worte kann man das Buch ja entsprechend zeitlich positionieren. Ich danke dir für diese aussagekräftige und neugierigmachende Rezension.
Liebe Grüße
Tanja